MORPHIN UND HEROIN
Teil 1: Die Gefahr
Morphin oder Morphium ist der Hauptbestandteil
des Opiums. 1804 ist es dem deutschen Apotheker Friedrich Wilhelm
Sertürner erstmals gelungen, Morphin aus Opium zu isolieren. Mit dem Morphin
hatte man die schmerzlindernde und beruhigende Kraft des Opiums in einer genau dosierbaren
Reinform und somit wurde es immer mehr in der Medizin eingesetzt.
Sein Suchtpotential wurde anfangs allerdings in der Öffentlichkeit weit unterschätzt. Erst im Zuge zweier Kriege wurde die hohe Gefahr der Suchtbildung - auch bei medizinischer Anwendung - erkannt. Zuerst wurde Morphium im amerikanischen Sezessionskrieg (1861 - 1865) zur Behandlung der Verletzen eingesetzt, doch nach der Genesung verlangten viele Verwundete immer noch der Droge. Als es den Verwundeten des Deutsch - Französischen Krieg (1870/71) sogar gestattet war sich selbst nach Belieben Morphium zu injizieren, war die Zahl derer, die als Morphiumabhängige aus dem Krieg zurückkehrten noch größer. Mirphin wird bis heute als Schmerzmittel bei starken Schmerzen eingesetzt

Heroin wurde 1898 zuerst als Husten- und Schmerzmittel von Bayer vertrieben. Lange Zeit wurde die euphorisierende Wirkung des Heroins nicht erkannt und das Abhängigkeitspotential unterschätzt. In der folgenden Zeit stieg die Anzahl der Abhängigen immer mehr an. Die gesellschaftliche Ausgrenzung dieser Personengruppe führte zuerst zum Einstellen der Produktion 1931. Erst seit 1971 - der Einführung des Betäubungsmittelgesetzes - sind der Besitz und die Herstellung von Heroin illegal.
Heroin macht sowohl körperlich, als auch psychisch stark abhängig und wirkt vor allem beruhigend, entspannend, gleichzeitig aber auch stark euphorisierend. Heroin beseitigt negative Empfindungen wie Angst und innere Leere. Der Konsument nimmt Probleme nicht mehr wahr und fühlt sich glücklich. Suchtkranke rutschen häufig in die Beschaffungskriminalität, Obdachlosigkeit und soziale Verelendung ab. Gesundheitliche Probleme entstehen unter anderem durch das Spritzen von Heroin mit verunreinigten Spritzen. Dadurch werden ansteckende Krankheiten, wie HIV und Hepatitis übertragen.


Heroin gilt als die tödlichste Droge. Konsumenten haben das 50-fache Sterberisiko verglichen mit der Allgemeinbevölkerung. Der schnelle, intensive Rausch birgt ein hohes Suchtpotenzial. Der Grad zwischen Rausch und Vergiftung ist sehr schmal. Von den 1226 Drogentoten in Deutschland 2015 starben die meisten nach dem Konsum beziehungsweise an einer Überdosis von Heroin. Rund 150.000 Menschen in Deutschland hängen an der Nadel.

Zwei obdachlose Heroinsüchtige erzählen ihre Geschichte:
Faces of addiction
https://www.rehabs.com/explore/faces-of-addiction
Hier sehr ihr, was für verheerende Folgen Drogen auf uns haben können. Die Bilder zeigen die Entwicklung des Aussehend von Drogenabhängigen über mehrere Jahre hinweg. Es ist eine zunehmende Verwahrlosung und ein zunehmender körperlicher Verfall erkennbar,
Ausschnitte aus dem Artikel
"Mein Sohn, der Junkie"
Ruhrgebiet. Elisabeth Falcone ist verzweifelt. Heroin hat das Leben ihres Sohnes zerstört - und die ganze Familie mit hinabgezogen. Hier erzählt die heute 71-Jährige ihre Geschichte. Die 20 Jahre Drogenmissbrauch des Sohnes haben Spuren hinterlassen - bei allen in der Familie.
Vor ein paar Tagen hatte Elisabeth Falcone Geburtstag, den 71. Der Sohn
war zu Besuch und hat gratuliert. 44 Jahre ist er inzwischen alt, "ja,
und nun ist er krank", sagt die Mutter. 20 Jahre Drogenmissbrauch haben
Spuren hinterlassen. Nieren und Bauchspeicheldrüse funktionieren nicht
mehr richtig; "Weihnachten dachten wir schon, er überlebt es nicht". Der
Schwiegertochter gehe es auch schlecht, bei ihr sei es die Leber.
Arbeiten könnten beide nicht mehr, dabei haben sie eine kleine Tochter.
"Ich habe so einen Hass auf diese Dealer, die müssten viel schärfer
bestraft werden", sagt Elisabeth Falcone leise.
Wann alles anfing, wann Stefan zum ersten Mal Cannabis probierte - "so genau weiß ich es nicht", sagt die Mutter. Ein Sportlehrer habe ihn und andere Kinder sexuell missbraucht, "dafür saß der Lehrer auch 18 Monate lang im Gefängnis". Danach, Stefan war zwölf, sei sein Selbstwertgefühl kaputt gewesen. "Er zog sich zurück, sprach nicht mehr mit mir, hatte diese Räucherkerzen im Zimmer." Irgendwann habe sie eine Wasserpfeife in seinem Zimmer gefunden.
Als Stefan einen Dealer trifft, der ihm "etwas Besseres als Hasch" verspricht, wird aus dem Cannabis-Konsumenten schnell ein Junkie, ein Heroinabhängiger. Als Jugendlicher nimmt Stefan alle Drogen, die er beschaffen kann. Macht mehrmals einen Entzug, mit der Hilfe von Medikamenten und auch ohne. Doch Stefan wird immer wieder rückfällig.
Es gab kein normales Leben mehr in unserer Familie", sagt die Mutter heute, 30 Jahre später. Nach 20 Jahren schwerer Drogensucht schafft es Stefan endlich, clean zu bleiben. Er ist Anfang 30 und möchte noch mal neu anfangen. Er findet eine Frau, auch sie ist ein Ex-Junkie. Sie gründen eine Familie, kümmern sich um ihre Tochter. Drogen spielen in ihrem Leben keine Rolle mehr, doch sie kommen nicht auf die Beine. So ist es bis heute. "Ich weiß nicht, wie es weitergehen wird", sagt Elisabeth Falcone. "Ich mache mir einfach Sorgen um meine Enkeltochter."
Übungen Teil 1:
a) Fasse so viele Gründe wie möglich dafür zusammen, dass Heroin eine extrem gefährliche Droge ist. Gehe sowohl auf körperliche, als auch auf soziale Aspekte ein.
b) Vergleiche die Lebensgeschichten von Rebecca, Marcel (Videos) und dem Sohn von Elisabeth Falcone
(Artikel) miteinander und nenne allgemeine Ursachen dafür, dass die drei heroinabhängig wurden.
Auch wenn es interessant ist, theroretisch auf einer rein chemischen Ebene verstehen zu können, wie Morphin und Heroin gewonnen werden können, haben die Fallbeispiele auf dieser Seite hoffentlich klar gemacht, was für schreckliche Folgen Heroin für Süchtige und deren Angehörige hat.
